Bitte immer schön sachlich bleiben? NEIN!

Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Ich habe mich über einen Zeitungskommentar aufgeregt (siehe den Blogbeitrag von gestern).

Parallel hierzu habe ich Dr. Rudolf Öller, dem Verfasser des Kommentars, eine e-Mail geschrieben. Er hat dankenswerter auch prompt geantwortet, sogar aus Chicago. Dr. Öller empfand meine Aussage „selbst ernannte Internet-Experten“ als schlampig und ungerechtfertigt. Er rät mir, in Zukunft nicht so sehr aus dem Bauch heraus zu schreiben und zuerst nachzudenken (wortwörtlich: „Be sure, brain is in gear before engaging keybord!„). Aber immerhin sei ihm dies früher (wahrscheinlich meinte er in jungen Jahren) auch schon passiert 😉

Meine Gedanken dazu:

  • Ja, wir sollten uns generell bemühen, wertschätzend und höflich zu kommunizieren. Persönliche Angriffe oder Untergriffe sind zu unterlassen.
  • Aber immer sachlich bleiben? Dazu sagen ich NEIN. Denn das Leben spielt sich nicht nur auf der sachlich-kognitiven Ebene ab, sondern auch auf der emotional-unbewussten.
  • Im vorliegenden Fall hat mich Dr. Öller nämlich nicht nur auf der sachlichen Ebene erreicht, sondern auch auf meiner emotionalen Werte- und Sinnebene.
  • Die Versachlichung der Welt führt häufig zu einem mechanistischen Welt- und Menschenbild. Darin liegt eines der großen Dilemmata unserer Zeit.

Ich wehre mich dagegen, immer „schön sachlich und objektiv“ bleiben zu müssen. Dies gilt insbesondere für die Kommunikation in Online-Medien. Denn einerseits ist Objektivität und „Wahrheit“ in der Welt außerhalb der Naturwissenschaften ohnehin eine Illusion. Und abgesehen davon brauchen wir in vielen Bereichen mehr an Emotionalität, Mut und Leidenschaft, um die wirklichen Probleme unserer Zeit zu lösen.

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    Stephan List

    5 Jahren ago

    2. Axiom von Paul Watzlawick:
    „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt“

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    Stephan List

    5 Jahren ago

    Nachtrag: Ganz ohne Leidenschaft schreibt auch Herr Öller nicht, wie man hier nachlesen kann.

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