Das Internet ist böse, böse, böse…!

FotoIch musste mich grad etwas ärgern. Nämlich darüber, dass selbst ernannte Internet-Experten nicht müde werden, vor den bösen Auswirkungen der digitalen Vernetzung zu warnen und diese zu verteufeln. So auch Dr. Rudolf Öller in seinem Kommentar in der heutigen Ausgabe der „Vorarlberger Nachrichten„. Der Kommentar trägt den Titel: „Die dunkle Seite des Netzes„. Einige Passagen möchte ich kurz zitieren und kommentieren:

  • Das Internet ist ein zentrumsloses Netz, das während des kalten Krieges konstruiert wurde.“ – Ich halte es für eine vermessene These, dass die Entstehung des Internets direkt mit militärischen Motiven und Zielen zusammen hängt (history of internet). Was aber möchte uns Dr. Öller hier durch die Blume sagen? Dass das Internet von Anfang an durch böse, menschenfeindliche und militärische Motive geprägt wurde?
  • Das Internet bildet auch eine Gefahr für herkömmliche Medien.“ – Ja, das stimmt definitiv. Und das ist in vielen Bereichen auch gut so.
  • TV ist in den Augen der Jugend nicht interaktiv und somit altmodisch.“ – Auch das stimmt. Will uns der Autor damit sagen: Früher war alles besser?
  • Wie wird die Welt der Medien in einer Generation aussehen? Wir wissen es nicht, aber die dunkle Seite des Internets tritt immer mehr zu Tage.“ – In diesen Aussagen wird der ZENTRALE DENKFEHLER sichtbar. Denn es tritt nicht die dunkle Seite des Internets hervor, sondern die dunkle Seite jener Menschen, die das Internet als Instrument zur Machtausübung, Spionage oder zum Betrug einsetzen.

Der Kommentar von Dr. Öller kann übrigens hier in voller Länge nachgelesen werden.

Ist das Internet nun gut oder böse?

Diese Frage kann nicht beantwortet werden. Denn das Internet ist „nur“ eine technische Möglichkeit, ein Instrument, das Dinge ermöglicht. In die eine und die andere Richtung.

Ich gebe zu, dass ich mich lieber mit den Chancen des Internets auseinander setze. Dies habe ich z.B. hier, hier oder hier getan. Gleichzeitig ist mir aber sehr wohl bewusst,

  • was NSA & Co. mit dem Internet anstellen,
  • welche Folgewirkungen der Missbrauch digitaler Möglichkeiten für Menschen haben kann oder
  • dass Internet-Kriminalität ein schwerwiegendes Problem darstellt.

Eines würde ich mir aber wünschen: Nämlich dass jene, die ständig nur die Schattenseiten aufzeigen, sich WIRKLICH mit dem Thema auseinander setzen. Denn ich behaupte, dass Dr. Öller, Prof. Spitzer oder Frank Schirrmacher & Co. keine echten Experten sind, sondern bestenfalls Pseudo-Experten. Ihre Sichtweise ist einseitig, verkürzt und rückwärtsgerichtet. Sie sind für mich keine echten Internet-Versteher, sondern bestensfalls Internet-Beobachter.

Fazit

Digitale Demenz (Prof. Spitzer) oder digitale Potenz (Prof. Dueck)? GANZ KLAR LETZTERES! Das Internet wird unsere Gesellschaft langfristig bereichern, befreien und zur Entwicklung beitragen. Allerdings liegt es an uns, die Chancen zu nützen und den Missbrauch zu bekämpfen.

PS: Leseempfehlung: Die wahre Debatte über das Internet.

3 CommentsLeave a Comment


  • Reply

    Bernd Hepberger

    5 Jahren ago

    Der Artikel ist eines der vielen Traurigen Beispiele für den noch nicht vollzogenen Denk- bzw, Generationswechseln in der Medienkultur in Zentraleuropa, insbesondere in Vorarlberg. Die Kirche hat sich auch Jahrhunderte gegen eine Dezentralisierung der Medienkräfte gewehrt… das ist allerdings schon ein paar Jahrhunderte her.

    Wie bin ich es satt, ständig mit Leuten zu reden, die noch nie in Facebook oder Twitter waren oder anscheinend gerade erst aus völliger Frustration ihre Accounts gelöscht haben. Wie sehr wünsche ich mir diesen Damen & Herren die Zeiten zurück, in denen wir alles glauben mussten, was uns die entweder politisch -oder gewinnorientierten Medien durch Print, Radio und TV erzählt haben.

    Das Internet ist die reinste Form der Demokratie, inkl. der „dunklen Seiten“. Die gehören (leider) zu unserer Gesellschaft dazu. Aber heute kann der interessierte Benutzer auch hinter die Kulissen schauen und recherchieren. Wenn’s zu viele Dumme gibt, ist das nicht die Schuld des Mediums. Viel mehr müssen die so genannten Intellektuellen darauf achten, dass die freien Medien nicht durch NSA etc. beeinträchtigt werden. Durch die ständige Schlechtmacherei wird das allerdings nicht passieren.

    Ich kann deinen Zorn mehr als verstehen!

  • Reply

    Roland

    5 Jahren ago

    Dr. Öller schreibt definitiv Unsinn. Nicht nur inhaltlich. Auch im Sinne von dialektischer Redlichkeit. Aber wie hat Karl Valentin gesagt: Ignorieren ist schon zuviel.

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  1. Bitte immer schön sachlich bleiben. NEIN! › Dr. Stefan Hagen

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